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.Jeder Mensch hat seine Story

Was Sie gerade gelesen haben war der Short Cut - die Kurzversion meiner Vita. Nicht sehr spannend, vielleicht austauschbar. Aber die Wahrheit, die jeder in sich trägt, erzählt häufig eine andere Geschichte des wirklichen Lebens. Und oft ist sie viel spannender. Wollen Sie meine hören? Bitte - es kommt meist ganz anders, als man denkt...

Geboren wurde ich 1957 in Basel - meine Eltern waren Revolutionsflüchtlinge aus Ungarn. Das heißt, dass meine Muttersprache erstmal ungarisch war und eigentlich auch immer noch ist. Deutsch ist aber natürlich sehr bald dazugekommen, zusammen mit Italienisch - nämlich sobald ich Spielkameraden aus der Nachbarschaft hatte und dann auch zur Schule ging. Zu Sprachen habe ich eine deutliche Affinität. Es sind mit der Zeit auch Französisch, Englisch und Spanisch dazugekommen, zuerst in der Schule, aber dann sehr bald auch durch das Unterwegssein.

Als ich nach einigen jugendlichen Turbulenzen zielstrebig auf ein Musikstudium zusteuerte, hatten meine Eltern sich überraschend entschlossen, wieder nach Ungarn zurückzusiedeln. Für mich eine unschöne Vorstellung. die aber ab 1976 beschlossene Sache war. Hier war ich auch erst ein Fremder. Meine Deutschkenntnisse boten aber sofort einen Vorteil. Ich habe zunächst in einer Buchhandlung angeheuert und mich in meiner Freizeit einer Amateur-Theatergruppe angeschlossen. Wer sich in den ehemaligen Ostblockländern ausgekannt hat, der weiß noch, dass solche kulturellen Aktivitäten stark gefördert wurden und auch recht professionell waren. So auch dort. Es wurden allerlei Leute auf uns aufmerksam, so dass wir im Jahr 1977 eingeladen wurden, am internationalen Amateurschauspielfestival in Monaco aufzutreten. Wir haben das Festival eröffnet: mit einem Molière auf Esperanto (!) und einem 25-minütigen Slapstick mit Musik von Spike Jones. Während der Vorbereitungen zu dieser Reise nach Frankreich hatte ich mich mit einem Freund heimlich abgesprochen, dass wir uns in der Schweiz wieder treffen würden. Für mich hat es unter enormen Schwierigkeiten geklappt, mein Freund kam unterdessen nur bis zur dänisch-deutschen Grenze. Dort wurde er verhaftet.

Zurück in der Schweiz war ich nichts und hatte nichts. Kein Geld, keine Wohnung und keinen Job. Ich habe als Schallplattenverkäufer in einem Fachgeschäft angefangen und habe mich auf dem Bau, im HiFi-Handel und anderen Orten durchgejobbt. Zu jener Zeit war das Reisen wichtig für mich. Und wie: Während eines halbjährigen Aufenthalts bei Beduinen, in der Nähe des Sees Genezareth, habe ich tatsächlich dort meine spätere Frau kennen gelernt. Es hat ein Jahr gedauert, bis wir uns wieder getroffen haben, aber seither sind wir zusammen. Das ist fast dreißig Jahre her.

Mein Leben wurde aber keineswegs ruhiger: Auf einer gemeinsamen Indien-Reise bin ich später so krank geworden, dass ich wahrscheinlich in die Nähe des Todes gekommen bin. Unter diesem Eindruck habe ich mich entschlossen, mich noch einmal selbst zu erfinden und etwas anderes zu lernen.

So war ich schon fast 28 Jahre alt, als ich mit meinem Theologiestudium in Stuttgart angefangen habe. Nach einem anschliessenden Praktikum an einer heilpädagogischen Schule nahm ich aber eine weitere komplette Kehrtwende vor. Ich schrieb mich in der 'Alanus Hochschule für bildende Künste in Alfter bei Bonn (D) ein und habe dann dort Architektur studiert und mein Examen gemacht. Während dieser Zeit haben wir - in der Schweiz - geheiratet, wohnten aber noch eine Weile gemeinsam in Deutschland.

Ende 1989 habe ich, wieder zurück in der Schweiz, angefangen, als planender und bauleitender Architekt zu arbeiten. Innerhalb sehr kurzer Zeit bin ich aber in ganz andere Bereiche der Architektur hineingezogen worden: Projektmanagement, Siedlungsbau, Immobilienverkauf, Marketing und alles Mögliche. Das waren sehr gute Erfahrungen, zugleich war es aber auch die Zeit der beginnenden Immobilienkrise. So habe ich mich ohne lange zu zögern von einer Grossbank anstellen lassen, mit dem Auftrag, die zwei Dutzend architektonisch und künstlerisch wichtigsten Liegenschaften im Besitz der Bank im Alleingang in Wort und Bild zu dokumentieren. Während dieser Zeit habe ich auch einige Projekte innerhalb der Abteilung Bau und Immobilien geleitet, so zum Beispiel die Einführung eines Knowledge Management Systems für die rund hundert Mitarbeiter des Departements. Außerdem habe ich öfters in internen und externen Fachzeitschriften darüber berichtet, wie sich die Bank für ihre historischen Liegenschaften einsetzt. - Die Arbeit in dieser Bank war herausfordernd, mit vielen Gelegenheiten, weiter zu lernen, und bot sowohl die zeitliche als auch finanzielle Möglichkeit, dasjenige aufzugreifen, was ich ursprünglich einmal vorhatte: anderen Menschen zu helfen und sie zu schulen.

Ich wollte immer beratend tätig sein. 'Seelsorgerisch' auf andere Art. Eben nicht im Rahmen einer kirchlichen Organisation, sondern auf eigene Faust. So haben die logotherapeutische Ausbildung mit ihren Zusatzmodulen (wie etwa der Wertimagination), Schulungen in Gewaltfreier Kommunikation und die ganzen Supervisions- und Selbsterfahrungsprozesse sowie die Diplomarbeit ('Imaginative Verfahren in der Psychotherapie') glatte sieben Jahre gedauert. Lange sieben Jahre, die meinem inneren Ziel völlig entsprachen.

Parallel dazu hatte ich mich selbständig gemacht und kümmerte mich nun selbst um Coaching-Klienten und um Lehraufträge. Bis heute ist das so sehr erfolgreich und für mich sinnstiftend geblieben. Die vielen Erfahrungen, die ich im Leben sammeln durfte, hatten offenbar alle ein bestimmtes Ziel, nämlich mich auf diese Arbeit mit Menschen intensiv vorzubereiten. Und dafür bin ich sehr dankbar.

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