Was hat Logotherapie mit Führung zu tun?
Viktor Frankl war ein Nervenarzt und Psychiater. Können seine Gedanken überhaupt mit den Problemen der Mitarbeiterführung etwas zu tun haben?
Ich will hier in einer lockeren Folge die Grundlagen aus Frankls Denken vorstellen und aufzeigen, was wir von ihm für unsere tägliche Arbeit, für den Umgang mit anderen Menschen und den Umgang mit uns selbst lernen können.
Frankl war nicht nur Arzt und Denker, er war nicht nur Theoretiker – er musste mit der unmenschlichen, ja geradezu der untermenschlichen Seite des Lebens schmerzliche Bekanntschaft schließen. Als Wiener Jude wurde er während des zweiten Weltkriegs verschleppt und hat längere Zeit in verschiedenen Konzentrationslagern zubringen müssen. Wie er selber später sagte, hat er überlebt, weil er Kraft fand, nicht nur dem Hunger und der Kälte, sondern auch der Angst und der Demütigung zu trotzen. Er erfand den dazugehörenden Namen, das geflügelte Wort von der Trotzmacht des Geistes.
Viktor Frankl war Arzt und Psychiater (1904 – 1997), war Schüler Freuds und Adlers, hatte sich aber früh von den Einseitigkeiten der akademischen Anschauungen seiner Zeit losgesagt. Er war eine treibende Kraft in der humanistischen Strömung des letzten Jahrhunderts, der ‚dritten Kraft’ innerhalb der psychologischen Wissenschaften nach der Psychoanalyse und des so genannten Behaviorismus, also der Verhaltenspsychologie.
Er vertrat das neue, das individualisierte Menschenbild. Das war ihm das wichtigste Anliegen.
Der Gedanke, dass der Mensch nur ein körperiches und höchstens vielleicht noch ein seelisches Wesen sei, war ihm unerträglich. Er empfand solches als unwürdig, geradezu als mechanisch. Er hat seine ganze Kraft aufgeboten, um zu zeigen, dass damit gerade das Wesentliche am Menschen vergessen gegangen ist.
Eine Anekdote erzählt, wie der 16jährige Frankl im Gymnasium gebannt den Ausführungen des Biologielehrers zuhört. Dieser dozierte gerade über die Entstehung des Lebens, wie sie zu jener Zeit - und auch heute - verstanden wurde, über die chemisch-organischen Vorgänge beim Übergang des mineralischen Geschehens in die Entwicklung des Lebens. Und er sagte: ‘Meine Herren, das leben ist nichts anderes als ein Oxydationsprozess.’
Der junge Frankl konnte da nicht mehr an sich halten, sprang auf und sagte ganz aufgeregt: ‘Aber Herr Professor – wenn es wirklich so wäre, dann … dann hätte das Leben doch gar keinen Sinn!’
Nun - er hat sich zur Aufgabe gemacht, genau dies genauer anzuschauen. Und die scheinbar recht akademische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema führte ihn zu einer Fülle von ganz praktischen und zweckmäßigen Gedanken. Wie wir diese Gedanken für uns nutzbar machen können, wie sie uns helfen können, den Alltag effizienter, aber vieleicht auch menschlicher zu gestalten, das wollen wir in einer Serie von kurzen Beträgen erforschen.