Ich will doch nur glücklich sein.
Roland Kopp-Wichmann betitelt seinen Blogbeitrag vom 26. Dezember 2008 folgendermaßen: “Warum Sie sich Ihre guten Vorsätze für’s neue Jahr sparen können.” (Zum Artikel)
Er zeigt dort, warum aus vielen Vorsätzen nichts wird, ja, nichts werden kann. Einmal, weil die Vorsätze nicht konkret als messbare Ziele definiert sind sondern eher wie nette Ideen daherkommen; dann weil sie möglicherweise gar nicht von einem selber kommen, sondern vielleicht vom Partner ond sonst jemandem; oder dann, weil der Vorsatz keine absehbare Belohnung enthält.
Was ist denn diese Belohnung?
Wer sich etwas vornimmt, der möchte etwas ändern. Meist geht es um die eigenen Gewohnheiten. Aber wozu?
Ob jemand mit dem Rauchen aufhören oder abnehmen will, letztlich geht es ihm darum, sich wohler zu fühlen, zufriedener zu sein mit sich selber. So lange es sich nicht darum dreht, etwas vermeiden zu wollen, ist das doch nichts anderes als - glücklich sein zu wollen.
Hier versteckt sich ein weiterer Grund dafür, warum aus Vorsätzen nichts wird: man kann es nicht wollen, glücklich zu sein.
Er war nachdenklich und angespannt. Er hatte seine Arme verschränkt, und es dauerte eine ganze Weile, bevor er wieder etwas sagte.
“Wissen Sie … ” Es klang etwas zögerlich. ” … ich bin nicht zufrieden mit mir. Sie haben ja gehört, was mich alles quält. Was könnte ich tun, um glücklich zu werden?”
Sie überlegte einen Moment und sagte dann: “Ich bin sicher, dass es auch in Ihrem Alltag Momente gibt, wo sie glücklich sind, und wenn es nur für Augenblicke ist.”
Er schien überrascht, sagte aber zunächst nichts. “Ich weiß nicht,” meinte er schließlich, “Vielleicht bin ich dann am zufriedensten, wenn ich mich mit etwas beschäftige.”
Hier hakte sie ein. “Wie meinen Sie das?”
“Na ja, wenn ich selber etwas tu’ und nicht abgelenkt werde … Lassen Sie mich überlegen.” Er beugte sich vor, stützte seine Ellenbogen auf die Kniee und verschränkte seine Finger. Seine Stimme klang jetzt etwas klarer. “Wissen Sie, ich habe jetzt gerade daran gedacht, dass es sehr gut tut, wenn ich mich auf etwas einlasse und dann auch dabei bleibe. Neulich hat mich ein Kollege darum gebeten, ihm bei der Formulierung von Texten für einen Prospekt zu helfen. Das ist ja nicht unbedingt meine Stärke, und ich musste mich ziemlich konzentrieren. Ich denke aber, dass ich einige ganz gute Wendungen hingekriegt habe. Hinterher war ich ganz fröhlich.”
“Wo kam denn Ihre Zufriedenheit her?” fragt sie.
“Wieso? Das ist doch klar: ich habe ja schließlich etwas getan, und ich musste mich anstrengen dafür.”
Sie sagte nur: “Aha.”
Er richtete sich wieder auf. “Ist denn das schon so etwas wie glücklich sein?”
“Ich glaube schon.” meinte sie. “Aber noch einmal: wo kam denn Ihre Zufriedenheit her?”
“Ich weiß gar nicht. Vieleicht war ich einfach zufrieden, weil ich etwas sinnvolles getan und damit jemandem geholfen habe. Dabei war es nicht wirklich angenehm, da mitzuarbeiten - und trotzdem war ich im nachhinein richtig fröhlich.”
Gerade im Hinblick auf die Belohnungen - sagen wir, im Hinblick auf gute Gefühle - zeigt Kopp-Wichmann, dass die ‘Belohnugsgefühle’ im Umgang mit einer bestimmten Sache abnehmen, weniger werden, weil sie zur Gewohnheit werden. Bei zwei Dingen im Leben gilt dies aber nicht: bei geliebten Tätigkeiten, und bei Beziehungen.
Der Dialog hat aber auch gezeigt, dass auch weniger geliebte und vielleicht sogar unbequeme Tätigkeiten erfüllend sein können - wenn sie sinnvoll sind und wenn wir uns ganz einlassen können auf sie. Zufrieden sein, glücklich sein - das ist ein Erfolg. Das heißt aber: sie er-folgen. Sie sind Folge von etwas. Dieses etwas hat meistens mit Sinn zu tun. Mit dem, was mir wertvoll ist. Das bedeutet aber auch: ich kann das Glück gar nicht direkt ansteuern. Wenn ich das tue, dann entgleitet es mir.
Möge dies ein Wegweiser sein für unsere guten Vorsätze am Anfang des neuen Jahres: Wir können es nicht wollen, glücklich zu sein. Wenn wir aber über uns selbst hinaus tätig werden, kann sich das Glück einstellen, fast wie von selbst. Ist das nicht ein Wunder?